Projektbeschreibung: Wieder Holung
„Meine <<Viel-Welten-Kultur>> ist ein Amalgam von Sprachen und Lebensformen und Inhalten voller Reichtum und Vielfalt, doch auch von Unsicherheiten und Unvereinbarkeiten durchsetzt.
Ich wünschte mir, eine Sprache zu erfinden – eine sehr eigene Stimme, die all die Vielfalt und Gegensätze, die Ansprüche und Widerspruche, Brüche und Zusammenbrüche wiedergeben könnte, aus denen meine Geschichte besteht. Dieses Zusammentreffen der besonderen Faktoren, die mein Schiksal ergeben haben: Europa im 20. Jahrhundert, Kriege über Kriege, Verfolgung und Vertreibung, Flucht und Zuflucht, die Prägungen aus Herkunft und Begegnung gleichermaßen, Bestimmtes und Zufälliges, Kindheitsmuster und Zwiespältigkeiten, das Netz von Pech und Glück, meine Kraft und mein Kleinmut.
In dieser Suche nach Orientierung, dem Drang zum Reflektieren und Fragestellen, erkenne ich mein eigentliches europäisches Erbe, in all seiner Ungewissheit und widersprüchlichkeit.“
Ilana Shmueli, Zeitläufe – in Brief; Rimbaud Verlag
Illana Schmueli und die Gruppe ritesinstitute entwickelten in Jerusalem 2010 (erste Datenerhebung) auf Basis von Textdiskussionen, Gesprächen und den Schriften von Illana erste Ideen zur Erzählmethode. Entstanden sind dabei erste Experimente mit klassische Erzählstruktur aufzubrechen. So begannen wir, eine einzige „banale“ Sequenz aus dem Weg ins Ghetto – die Begegnung mit einem rumänischen Offizier – zum Ausgangspunkt zu nehmen, um den Assoziationen zu folgen. Mehrere Sitzungen, immer der gleiche Ausgangspunkt, unterschiedliche Verzweigungen. In einem zwieten Gepsärchsteil analysierten wir warum die Geschichte jeweils wo abgebogen ist, wo bestimmte Erzählstränge in die Gegenwart führen, wie zwischen Czernowitz und Jerusalem, zwischen Vergangenheit und Gegenwart gewechstelt wird.
Das ständige Wechseln zwischen „erster“ und „zweiter Ordnung“ (Erzählung und Metaerzählung) liefert Viedomaterial, das das Entstehen von Erinnerungserzählungen zeigt und von der Erinnernden selbst kommentiert.
Theorien über Identitäten und kollektives Gedächtnis werden in diesem Herangehen ähnlich der Action research oder der Erinnerungsarbeit von Frigga Haug nicht aus Lehrbüchern sondern aus dem gemeinsamen Arbeiten mit und an den Erzählungen generiert, dienen jedoch in diesem Projekt nicht (primär) als Basis theoretischer Textproduktionen sondern zur Verfeinerung künstlerischer/filmischer Verfahren.